Minarette und andere Elfenbeintürme


Das grosse Verdienst der Minarettinitiative, für deren Zustandekommen ich auch meine Unterschrift geleistet habe, ist das Anstossen einer öffentlichen Debatte über Religion im Allgemeinen.

Diese Debatte muss dringend geführt werden. Zu lange haben sich die organisierten Religiösen aller Schattierungen hinter der clever errichteten Mauer des verlangten Respekts verschanzen können und uns Säkulare erfolgreich daran gehindert, offen über Sinn und Unsinn zu debattieren. Dabei wird offensichtlich Respekt und Toleranz verwechselt: Tolerieren (Aushalten) kann ich Religionen schon, respektieren schon weniger, denn ich finde die monotheistischen Religionen schlicht und einfach überflüssig.

Wer Kunst und Wissenschaft besitzt, braucht keine Religion.

Wir können stolz auf unsere christlichen Werte sein, sie müssen aber als das bezeichnet werden, was sie sind: humanistische Werte!

Schon Feuerbach meinte im Jahr 1848: Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde.

Lasst uns nicht beten, sondern debattieren.

  1. #1 by Bruno Stanek at 5. Dezember 2008

    Welchem Denker spricht dieser Text nicht aus dem Gehirn? Kurz, logisch und heilsam für Denker und Glaubende zugleich. Vergessen wir neben diesen wertvollen Bemühungen um Rationalität in der Bevölkerung nicht Anderes, das derzeit auf der Erde im Allgemeinen und in der Schweiz im Besonderen aus dem Ruder läuft. Nach Swissair- und Bankenkatastrophe (beides wegen dem Glauben an den Sonderfall Schweiz noch ausgeprägter verlaufend) wartet nämlich die Stromkrise auf uns. Wie bei den erstgenannten Krisen will diese niemand kommen sehen, obwohl alle Anzeichen vorhanden sind. Der Stromverbrauch steigt und wird mit dem Ersatz von Benzinautos durch Elektrofahrzeuge und Investitionen in die Bahnen in den kommenden Jahren noch steigen, während die Bereitstellung elektrischer Energie mit der Denkweise von Schildbürgern verhindert wird. Groteke Beispiele wie Dänemark mit vier ausser Betrieb genommenen KKW, Stromimport von 57% aus ausländischen Kraftwerken und dafür einem Strompreis von 37 Rappen pro kWh werden mit allen Mitteln der Desinformation ignoriert. Eine technisch meist total unkundige Presse, die oft nicht einmal Kilowatt von Kilowattstunden unterscheiden kann, glaubt an Gammelenergien von Wind (Nagelteppich Schweiz mit Windrädern?), Solarzellen (keine Lösung des Abwärmeproblems - im Gegenteil!) oder “Gratisbezug aus Erdwärme” (Basler Erfahrungen mit politischem Wunschdenken vergessen?). Alle leiden an geringen Leistungsdichten und scheitern daher an einer umweltschonenden Produktion, was sie zu sein vorgeben. Im besten Fall können sie die jährliche Zunahme der Energie für Weihnachtsbeleuchtungen decken! Ausgerechnet die einzige durchgehend adäquate Lösung des Energiebedarfs, die Kernenergie, wird mit falschen Behauptungen eines “ungelösten Abfallproblems” (etwa so glaubwürdig wie das Waldsterben von 1984) verteufelt. Unerlaubterweise für die Logik werden dann aus solchen Behauptungen Schlüsse gezogen und mit falschen Entscheiden ein Ausweg aus allen Engpässen verbaut. Ohne geschaffene Probleme sind die Linksparteien eben so wenig lebensfähig wie Religionen. Glaube, wer will, denke, wer kann.

  2. #2 by Logine at 5. Dezember 2008

    In einer so durchmischten Gesellschaft wie der schweizerischen, mit einem “Ausländeranteil” von weit über 20% (ohne “Eingebürgerte”) muss das allen Menschen Gemeinsame gestärkt werden. Religionen wirken trennend und sind deshalb aus der Öffentlichkeit zu verbannen.

  3. #3 by Heinz Hohl at 5. Dezember 2008

    Besten Dank für die Informationen.

    Es tut gut feststellen zu dürfen, dass man nicht alleine ist mit einer etwas “ver-rückten” Lebenshaltung und Lebensweise.

    Mögen solche Einsichten wahrgenommen werden. Das wünsche ich Euch und mir.

    mfG

    H. Hohl

  4. #4 by Ed. Brugger at 5. Dezember 2008

    Wir haben vor ca. 1Mt. einen Besuch in der ex-DDR (neue Bundesländer) gemacht und nicht schlecht gestaunt, über die Mengen von installierten Windkraftwerken. Mehrere Felder von bis zu 50 installierten Anlagen. Nur- alle standen auf riesigen Brachfeldern, weit und breit kein Bauer zu sehen, selten ein Haus in der weiteren Umgebung. Und der Clou:, im Schnitt war vielleicht eine Anlage von zwanzig in Betrieb. Z. T auf 50 Windrädern gerade eines.

  5. #5 by Stefan Mauerhofer at 30. Dezember 2008

    Ich habe die Initiative nicht unterschrieben, finde aber die Debatte, welche sie ausgelöst hat durchaus wichtig. Besonders die Reaktionen aus islami(sti)schen Ländern entlarvt diese ungemein. Diese Hüter des mittelalterlichen und barbarischen Shariarechts entdecken plötzlisch die Religionsfreiheit, jedenfalls nur solange man sich für die richtige Religion entscheidet. Was in der ganzen Debatte untergeht ist, dass die Menschenrechte nur Individuen und keine Gruppen schützt. Sie schützen nur den Muslim aber nicht den Islam.

    @Bruno
    Ich gebe dir weitgehend recht. Die Abfallproblematik lässt sich lösen, wenn man den Willen zu einer Lösung hat. Ich bin von der Wind-/Geo-/Solartechnick genauso fasziniert wie von der Nukleartechnik. Nur dass das eine wird aus ideologischen Gründen in den Himmel gelobt wird, während man das andere verteufelt. Das ist bei der Gentechnologie nicht anders. Ausserdem wird bei der Weiterenticklung der Nukleartechnik der Abfall von heute zum Rohstoff von morgen. Die heute weit verbreitete Technologiefeindlichkeit verurteile ich aufs schärfste. Aber Dummheit kennt ja bekanntlich keine Grenzen und die Menge der Irrtümer scheint überabzählbar gross zu sein.

(wird nicht veröffentlicht)
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